Ein Hund mit Trichter um den Hals nach Oeration

Soll ich meinen Hund kastrieren lassen oder lieber nicht?

Soll ich meinen Hund kastrieren lassen oder lieber nicht?

Das Thema Kastration steht bei vielen Hundebesitzern früher oder später an. In vielen Hundeschulen wird oft auch zur Kastration geraten. Andere glauben, dass eine Kastration Verhaltensprobleme einfach verschwinden lässt. Doch was ist dran an diesen Aussagen? Gibt es das magische schnipp-schnapp? Während meiner Trainerausbildung war dies auch ein heißer Diskussionsgrund, der immer mit viel Emotionen verbunden ist. 

"...es braucht die Indikation eines Tierarztes"

Was sagt die Gesetzeslage zum Thema Kastration?

Vorab möchte ich jedoch auf unsere Gesetzeslage verweisen:

6 Abs.1 Satz 1 TierSchG verbietet das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entfernen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres und damit grundsätzlich auch die Kastration oder Sterilisation. 

Dies ist auf wenige Ausnahmen begrenzt, die in § 6 Abs. 1 Satz 2 im Tierschutzgesetz aufgelistet sind. Im Einzelfall ist es erlaubt, es braucht allerdings die Indikation eines Tierarztes.

Kastration als Erziehungsmaßnahme?

Eine Kastration ist ein Eingriff und daher auch immer mit einem Risiko verbunden.  Es sollte immer gut überlegt und abgewogen werden. Informiere dich daher immer gut und lass dich vom Tierarzt beraten. 

Eine Kastration als "Erziehungsmaßnahme" ist nicht gerechtfertigt und kann die Problematik im schlimmsten Fall verschlimmern.

Fragen an Tierärztin Conny Hecker (CH)

Was genau ist der Unterschied zwischen einer Kastration und einer Sterilisation?


CH:  Bei der Kastration werden die keimbildenden Gewebe (Hoden) bzw. Eierstöcke entfernt. Das bedeutet, dass die Hormonproduktion eingestellt wird.

Hormonell bedingtes Verhalten wird nicht mehr gezeigt


Es gibt die Möglichkeit, den Hund mit einem Chip chemisch zu kastrieren.  Was bewirkt der Chip und was für Hormone sind im Chip?


CH:  Der Chip gibt über die 6 Monate konstant wenig den Wirkstoff Deslorelin ab. Dies führt über Umwege (Hypophyse → Drüse im Gehirn) dazu, dass nach anfänglichem Anstieg  (4-6 Wochen nach Implantation) des Testosterons, dieses dann für ca. 6 Monate runterreguliert wird und damit der Rüde unfruchtbar wird und auch Testosteron bedingtes Verhalten weniger gezeigt wird.

Es gibt zwei Größen, eine für 6 Monate und einen für 1 Jahr. 

Auf dem deutschen Markt gibt es keine Zulassung für einen Kastrationschip der Hündin.  


Welche typischen ungewollten Verhaltensweisen können mittels Chips / Kastration gemindert werden, welche nicht?  


Testosteronbedingte Verhaltensweisen können damit reduziert werden, solange sie noch nicht verinnerlicht wurden und auch unabhängig vom Testosteron gezeigt werden (es gibt durchaus alte(Deck-)Rüden, die sehr spät kastriert wurden und durchaus noch auf läufige Hündinnen aufspringen.) 


Nicht jedes Aggressionsverhalten ist Testosteronbedingt und lässt sich mit einer Kastration beseitigen.


Macht es immer Sinn, anstatt einer Kastration erst mal den Chip zu testen?


Durchaus siehe vorheriger Punkt, um auszuprobieren, ob das Verhalten wirklich Testosteron bedingt ist, der Chip ist nach ca. 6 Monaten wieder raus, eine chirurgische Kastration lässt sich nicht rückgängig machen.

Ausnahme: Krankheitsursachen wie Tumor, Kryptorchide


Nimmt der Hund nach der Kastration / Chip zu?

Nicht zwangsläufig, er wird evtl. etwas entspannter und hat damit einen geringeren Grundumsatz (nicht mehr gestresst), man kann sich nach einer Kastration aber genauso sportlich betätigen wie vorher und als Besitzer bestimme ich die Menge, die im Napf landet.


Gibt es Risiken/ Nebenwirkungen?


Schwellung und Schmerzhaftigkeit an der Einstichstelle über ein paar Tage, Veränderungen am Fell, zunächst Vergrößerung der Hoden (Schmerzen?), dann Verkleinerung → könnten (extremst selten, ist in den Nebenwirkungen beschrieben, habe ich allerdings noch nie erlebt) in den Leistenspalt hochrutschen, Verhaltensveränderungen.

Anmerkung von Conny Hecker zum Thema Kastration

Nicht jeder Rüde sollte immer gleich kastriert werden, Hormone sind durchaus sinnvoll, so macht Testosteron mutig und mindert Stress, was gerade bei ängstlichen Tieren wichtig ist;

souveräne Rüden benötigen keine Kastration, solange es keine medizinische Indikation (z.B. Tumor) gibt, Testosteron ist wichtig in Wachstum, Entwicklung und Erhaltung (auch beim Bewegungsapparat)


Vielen Dank an Conny Hecker und Lisa Fritsch vom

Das-Vet-Mobil Team!

 (In und um München tätig)


Conny Hecker ist Tierärztin, und zusammen mit TFA Lisa Fritsch kommt die Praxis zu dir nach Hause in ihrem Vet-Mobil. Für mich ist das ideal, da ich meine Katzendame Sissi, die schon ein wenig älter ist, stressfrei behandeln lassen kann. Das Vet- Mobil ist ein umgebauter Rettungswagen und eine vollausgestattete Tierarztpraxis auf vier Rädern. Beide sind ein eingespieltes Team, die sich mit Geduld und Einfühlungsvermögen um ihre haarigen Patienten kümmern.

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